
In der modernen Landwirtschaft arbeiten Maschinen unter enormer Belastung, und ihre hydraulischen sowie kraftübertragenden Systeme werden immer komplexer. Betriebsinhaber stehen daher häufig vor dem Dilemma, das richtige Schmiermittel auszuwählen, und stoßen dabei auf zwei rätselhafte Abkürzungen: STOU und UTTO. Obwohl beide Öltypen als „multifunktional“ gelten, sind die Unterschiede zwischen ihnen grundlegend und können über die Lebensdauer Ihres Traktors entscheiden. In diesem Artikel erklären wir das Dilemma STOU oder UTTO, erläutern die Definitionen und klären Zweifel hinsichtlich ihrer Mischbarkeit.
Inhaltsverzeichnis:
1. Was verbirgt sich hinter den Abkürzungen STOU und UTTO?
2. STOU-Öl vs. UTTO – die wichtigsten Unterschiede
3. UTTO mit STOU mischen – ist das sicher?
4. STOU oder UTTO – was wählen?
Was verbirgt sich hinter den Abkürzungen STOU und UTTO?
Um den Unterschied zu verstehen, muss zunächst der Einsatzzweck beider Schmierstofftypen definiert werden.
UTTO-Öl – was bedeutet das?
Die Abkürzung UTTO stammt aus dem Englischen Universal Tractor Transmission Oil. Was bedeutet UTTO-Öl in der Praxis? Es handelt sich um ein universelles Getriebe- und Hydrauliköl. Es wurde entwickelt zur Schmierung von:
- Getrieben (manuell, Powershift, CVT, Dynashift)
- Hydrauliksystemen
- Nassbremsen
- Kupplungen
Wichtig: UTTO-Öl ist nicht für die Schmierung des Motors geeignet. Es enthält keine entsprechenden Additive (Detergentien und Dispergiermittel), die mit den Verbrennungsrückständen umgehen können.
Siehe auch: Dynashift vs. Dyna VT
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STOU-Öl – was bedeutet das?
Die Abkürzung STOU steht für Super Tractor Oil Universal. Was bedeutet STOU-Öl für den Landwirt? Es ist ein Produkt mit einem breiteren Anwendungsspektrum. Es handelt sich um ein Motor-, Getriebe- und Hydrauliköl. Das bedeutet, dass ein einziges Produkt verwendet werden kann für:
- Den Motor (erfüllt API-Normen für Dieselmotoren)
- Das Getriebe
- Das Hydrauliksystem
- Nassbremsen und Kupplungen
STOU-Öl vs. UTTO – die wichtigsten Unterschiede
Beim Vergleich STOU vs. UTTO liegt der Hauptunterschied in der Einsatzmöglichkeit im Motor. UTTO-Öle sind in der Regel technologisch moderner, wenn es um den Schutz von Getrieben geht. Da sie keine Motoranforderungen erfüllen müssen (die häufig im Widerspruch zu Getriebeanforderungen stehen, z. B. bei Verschleißschutzadditiven), können sich die Hersteller auf den maximalen Schutz von Hydrauliksystemen und Getrieben konzentrieren.
STOU hingegen steht für Komfort. Es ermöglicht die Verwendung eines einzigen Produkts für den gesamten Traktor (mit Ausnahme z. B. von Hypoidachsen, die API GL-5 erfordern, was von der jeweiligen Maschine abhängt).
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UTTO mit STOU mischen – ist das sicher?
Dies ist eine der am häufigsten gestellten Fragen von Mechanikern und Landwirten: Wie verhält es sich mit dem Mischen von UTTO und STOU? Die Antwort erfordert die Unterscheidung zweier Situationen:
Situation 1: Nachfüllen im Getriebe / in der Hydraulik
Grundsätzlich sind diese Öle in hydraulisch-mechanischen Systemen miteinander mischbar, sofern sie eine ähnliche Viskositätsklasse haben (z. B. 10W-30 oder 10W-40) und dieselben Herstellernormen erfüllen (z. B. Ford M2C, Massey Ferguson CMS).
- UTTO in ein mit STOU befülltes Getriebe nachfüllen – in der Regel unbedenklich.
- STOU in ein mit UTTO befülltes Getriebe nachfüllen – in der Regel unbedenklich.
Situation 2: Nachfüllen im Motor
UTTO-Öl darf NIEMALS in den Motor eingefüllt werden! Auch dann nicht, wenn es mit dem dort vorhandenen STOU-Öl vermischt wird. UTTO-Öl wird bei den im Brennraum herrschenden Temperaturen sehr schnell abgebaut, was zu schweren Motorschäden bis hin zum Festfressen des Motors („Verkleben“ der Kolbenringe) führen kann.
Expertenrat: Obwohl das Mischen von UTTO und STOU in Hydrauliksystemen technisch möglich ist, wird davon abgeraten. Jedes Öl besitzt ein eigenes Additivpaket. Deren Vermischung kann die schaumhemmenden Eigenschaften oder den Korrosionsschutz beeinträchtigen. Im Notfall auf dem Feld können Sie das vorhandene Öl nachfüllen (aber niemals UTTO in den Motor!), nach der Saison sollte jedoch ein kompletter Ölwechsel auf ein einheitliches Produkt in Erwägung gezogen werden.
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STOU oder UTTO – was wählen?
Die Wahl zwischen STOU- und UTTO-Öl sollte in erster Linie von der Struktur Ihres Maschinenparks abhängen. Bei modernen Traktoren (Marken wie John Deere, Fendt oder New Holland), die in der Regel über getrennte Ölkreisläufe verfügen, ist UTTO-Öl die bessere Wahl. Diese Maschinen benötigen dedizierte Getriebeöle sowie hochspezialisierte Motoröle (z. B. Low-SAPS-Öle aufgrund von DPF-Filtern).
Bei älteren Maschinen (z. B. Ursus, Zetor) sowie bei gemischten Flotten, bei denen die Hersteller eine größere Universalität zulassen, ist STOU hingegen eine hervorragende logistische Lösung. Es ermöglicht die Verwendung eines einzigen Fasses für alle Systeme, was die Wartung erheblich vereinfacht und das Risiko von Fehlbefüllungen minimiert.