
Die moderne Landwirtschaft entwickelt sich konsequent in Richtung vollständiger Automatisierung und Präzisionslandwirtschaft (Precision Farming). Eine der bahnbrechendsten Lösungen der letzten Jahre, die das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Maschinenkombination grundlegend neu definiert, ist das TIM-System (Tractor Implement Management). Die Marke Kubota hat diese Technologie erfolgreich implementiert, insbesondere in ihren Flaggschiff-Traktorserien M7. Doch was genau ist TIM, wie funktioniert der zertifizierte ISOBUS-Standard in der Ausführung des japanischen Herstellers und warum ermöglicht er reale Einsparungen bei Kraftstoff und Zeit?
Inhaltsverzeichnis:
1. Was ist das TIM-System (Tractor Implement Management)?
2. Wie funktioniert TIM in Kubota-Traktoren?
3. Praxisbeispiel: Einsatz des TIM-Systems bei der Arbeit mit einer Rundballenpresse
4. Warum lohnt sich die Investition in TIM-kompatible Maschinen?
5. FAQ – Häufig gestellte Fragen
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Was ist das TIM-System (Tractor Implement Management)?
Im klassischen Arbeitsablauf entscheidet der Traktorfahrer über sämtliche Betriebsparameter: Fahrgeschwindigkeit, Drehzahl der Zapfwelle oder die Steuerung der Hydraulik – stets angepasst an das angehängte Anbaugerät. Das TIM-System kehrt dieses Prinzip um.
TIM ist eine hochentwickelte Technologie auf Basis des Standards ISOBUS Klasse 3 (Class III). Sie ermöglicht es dem Anbaugerät (z. B. Rundballenpresse, Ladewagen oder Feldspritze), aktiv Funktionen des Traktors zu steuern. Dank bidirektionaler Kommunikation „weiß“ das Gerät selbst am besten, welche Parameter es in der jeweiligen Situation für einen optimalen Arbeitsablauf benötigt, und sendet entsprechende Steuerbefehle direkt an den Traktor.
Wie funktioniert TIM in Kubota-Traktoren?
In Kubota-Traktoren ist das TIM-System in die K-Monitor-Terminals (7 Zoll oder 12 Zoll) integriert. Damit TIM genutzt werden kann, müssen zwei technische Voraussetzungen erfüllt sein:
- Der Traktor muss über eine freigeschaltete TIM-Lizenz sowie eine ISOBUS-Schnittstelle verfügen.
- Das Anbaugerät muss über eine AEF-Zertifizierung (Agricultural Industry Electronics Foundation) für die TIM-Funktionalität verfügen.
Sobald Traktor und Gerät miteinander gekoppelt sind, kann das Anbaugerät die Kontrolle über vier zentrale Systeme des Traktors übernehmen:
- Antriebsstrang: Regelung der Fahrgeschwindigkeit (Abbremsen, Beschleunigen, Anhalten).
- Lenksystem: Automatische Spurführung (sofern vom Anbaugerät unterstützt).
- Zapfwelle (PTO): Ein- und Ausschalten des Antriebs sowie Drehzahlregelung.
- Außenhydraulik: Steuerung elektrohydraulischer Ventile (z. B. Öffnen der Pressenklappe).
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Praxisbeispiel: Einsatz des TIM-Systems bei der Arbeit mit einer Rundballenpresse
Ein besonders anschauliches Beispiel für die Effizienz des TIM-Systems in Kubota-Traktoren (z. B. der Serie M7003) ist die Arbeit mit einer Rundballenpresse (z. B. Kubota BV):
- Der Fahrer fährt in den Schwad ein.
- Die Presse überwacht kontinuierlich den Füllgrad der Presskammer.
- Sobald die Kammer voll ist, sendet die Presse automatisch das Signal an den Traktor: „Anhalten“.
- Der Traktor reduziert selbstständig die Geschwindigkeit bis zum Stillstand.
- Die Presse startet den Wickelvorgang mit Netz oder Garn.
- Nach Abschluss des Wickelvorgangs sendet die Presse ein Signal an die Traktorhydraulik: „Klappe öffnen“.
- Der Ballen wird ausgeworfen, die Heckklappe schließt sich automatisch.
- Die Presse signalisiert die Einsatzbereitschaft, und der Fahrer muss lediglich das Anfahren bestätigen (aus Sicherheitsgründen) oder – bei voller Automatisierung und entsprechenden Rahmenbedingungen – setzt sich der Traktor selbstständig in Bewegung und erhöht die Zapfwellendrehzahl.

Warum lohnt sich die Investition in TIM-kompatible Maschinen?
Die Einführung von Tractor Implement Management in Kubota-Traktoren ist kein technisches Spielzeug, sondern ein Werkzeug mit messbarem wirtschaftlichem Nutzen:
Reduzierung von Bedienfehlern
Ermüdung des Fahrers nach vielen Arbeitsstunden führt häufig zu Fehlern – etwa zu hoher Fahrgeschwindigkeit bei großem Schwad (Verstopfungsgefahr der Presse) oder verzögerter Reaktion auf eine volle Presskammer. TIM arbeitet konsequent und reproduzierbar und eliminiert den menschlichen Faktor bei wiederkehrenden Abläufen.
Maximale Maschinenleistung
Das Anbaugerät arbeitet stets an der Grenze seiner optimalen Durchsatzleistung. So kann ein Ladewagen den Traktor automatisch abbremsen, wenn Sensoren einen dichteren Schwad erkennen, um eine Überlastung des Rotors zu vermeiden, und bei geringerem Schwad wieder beschleunigen.
Kraftstoffeinsparung
Die stufenlose Anpassung von Motordrehzahl und Fahrgeschwindigkeit – direkt gesteuert durch den tatsächlichen Leistungsbedarf des Anbaugeräts – hält den Kubota-Motor im optimalen Drehmomentbereich. Unnötiges Hochdrehen oder der Betrieb mit zu hoher Zapfwellendrehzahl werden vermieden.
Höherer Arbeitskomfort
Der Fahrer wird vom „aktiven Bediener“ zum Überwacher des Arbeitsprozesses. Die Reduzierung ständig wiederkehrender Handgriffe (z. B. das manuelle Betätigen der Hydraulik alle paar Minuten) senkt die körperliche und mentale Belastung erheblich.
Siehe auch: technische Daten der Kubota-Traktoren
Kubota-Modelle mit TIM-Unterstützung
Derzeit wird diese Technologie vor allem in Traktoren für schwere Feldarbeiten intensiv eingesetzt:
- Kubota M7003 / M7004 Premium KVT: Flaggschiffmodelle mit stufenlosem Getriebe, die dank der feinfühligen Geschwindigkeitsregelung ab 0 km/h ideal mit TIM harmonieren.
- Serie M6002: In höheren Ausstattungsvarianten mit Unterstützung für fortschrittliche Präzisionslandwirtschaft.
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FAQ – Häufig gestellte Fragen
Unterstützt jeder Kubota-Traktor TIM?
Nein. Das TIM-System ist hauptsächlich in höheren Traktorserien (z. B. M7003, M7004) verfügbar, die mit einem K-Monitor-Terminal sowie der entsprechenden ISOBUS-Softwarelizenz ausgestattet sind.
Funktioniert TIM nur mit Kubota-Maschinen?
Nicht zwingend. Das System basiert auf dem offenen AEF-ISOBUS-Standard. Verfügt ein Anbaugerät eines anderen Herstellers über eine TIM-Zertifizierung (ISOBUS Klasse 3), sollte es mit einem Kubota-Traktor zusammenarbeiten. Die höchste Kompatibilität wird jedoch in der Regel bei Maschinenkombinationen eines Herstellers erreicht.
Ist das TIM-System sicher?
Ja. Das System verfügt über umfangreiche Sicherheitsmechanismen. Trotz Automatisierung hat der Fahrer jederzeit Priorität und kann die Kontrolle über den Traktor sofort übernehmen (z. B. durch Betätigen der Bremse oder Lenken), wodurch die automatische Steuerung unmittelbar deaktiviert wird.